Kraftwerk
Baujahr: 1931
Im Jahr 1929 gewann der seit 1926 in Köln tätige Architekt Dominikus Böhm einen Wettbewerb für den Bau eines neuen Kraftwerks. Von ursprünglich sechs in die engere Auswahl gekommenen Architekten hatte die Siemens-Bauunion GmbH ihn für Planung und Realisierung des Kraftwerks empfohlen. Zwei Jahre später, 1931, wurde das Kraftwerk mit zwei Kesseln in Betrieb genommen. Heute ist die architektonische Gestaltung des Gebäudes aufgrund von Leitungs- und Rohrtrassen sowie zahlreicher Erweiterungsbauten kaum noch erkennbar – das ursprünglich freistehende, aus Ziegelstein errichtete Bauwerk ist inzwischen von einem Konglomerat notwendig gewordener Fabrikbauten wie Schlammverbrennung, Kohlesilo, Turbinenhaus und E-Filter umgeben.
Drohnenaufnahmen: Sascha Keimer / Stadt Bergisch Gladbach
Das alte Kesselhaus schließt unmittelbar an das neue Kraftwerk an (1952)
Das neue Kraftwerk mit Schaltanlagenvorbau, Turbinenhalle und Kesselhaus (ca. 1930)
Kesselhaus und Turbinenhalle (1950)
Blick über die Kläranlage zum Kraftwerk (ca. 1950)
Turbinenhalle mit Turbosatz (um 1930)
Innenansicht der Turbinenhalle (1978)
Blick ins Kesselhaus mit Hinweisschild auf den Marshallplan (1951)
Blick auf das Werksgelände (1951)
Architektur, Energieversorgung und Denkmalschutz
Historische Fotos zeigen jedoch, dass das Gebäude von technischer Nüchternheit geprägt war, die sich in den 1920er Jahren auch bei Industriebauten als angemessene Formensprache etablierte. Ein streng vertikal gegliederter Riegel setzt den Hauptakzent, dessen höher gezogene Giebelwände diese Wirkung noch verstärken. Die Art der Wandöffnungen variiert je nach Funktion.
Die ansonsten geschlossene Wirkung des Kubus spiegelt die Funktion des Kesselhauses wider, das eine starke Ummantelung der inneren Energieerzeugung und -nutzung erforderte. Zwei lang gestreckte Baukörper, einer davon als Turbinenhalle genutzt, sind diesem wesentlichen Bauteil vorgelagert.
Das Werk Gohrsmühle hatte schon um 1900 ein erstes großes Kraftwerk mit elf Kesseln erhalten. Mit dem neuen Kraftwerk von 1931 waren jedoch die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um nicht nur das Weiterbestehen des Werkes, sondern auch die für die Weiterentwicklung der Papierproduktion notwendige Energieversorgung zu sichern.
Das Kraftwerk steht heute unter Denkmalschutz. Besonders der Turbinenraum hat sich im Inneren kaum verändert. Erhalten ist auch ein Teil der historischen technischen Ausstattung, darunter drei Siemens-Schuckert-Turbinen aus den Jahren 1930/31 und 1954. Auch die markanten Schornsteine des Kraftwerks prägen bis heute die Silhouette des ehemaligen Werksgeländes und der Stadt. Der sogenannte „Alte Schornstein“ wurde 1921 mit einer Höhe von 80 Metern neu errichtet und 1935 auf 90 Meter erhöht. Ein zweiter Schornstein ist bereits auf Fotografien von 1914 belegt; er wurde Anfang der 1960er Jahre vollständig abgetragen und neu aufgemauert.
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